Schon mal mit nem Bauern ne Koppel gebaut? 

”Hol dir einen Bauern” – haben sie gesagt. ”Der hilft dir dann mit deinen Pferden” – haben sie gesagt. 

Soweit die Theorie, ja. 

Wie läuft’s in der Praxis? Ja, doch, ganz ok. Ich sag mal so: lieber nen übermotivierten Bauern, als nen Grasallergiker aufm Hof haben. 🙂 

Also Dinge werden erledigt, so is nich. … und zwar so schnell, dass ich es kaum dazwischen schaffe, zu denken. Ich tüftele gerne vor mich hin, verlier mich in Ideen und lass sie dann doch sein. Alles kann, nichts muss. So ne Koppel einzuzäunen, dauert bei mir auch schon mal nen halben Sommer. Und dann steht plötzlich mein neuer bester Homie vor mir und will genaue Aufträge ausführen. Motiviert, wie ein Drogenschnüffelhund mit Warnweste. Hab ich jetzt mittlerweile begriffen! Klare Ansagen sind angebracht: ”Wasser dorthin!”, ”Strom da anschließen”, ”Kabel da kaputt, muss repariert werden, mach!”. Am Anfang ging ich blauäugig nach draußen, ohne eine komplette Agenda im Kopf zu haben und stieß auf mittelmäßigen Unmut des sympathischen Helferleins. 

Vor ein paar Tagen, stand das Projekt Sommerkoppel an. Im meinem Kopf alles cool hey: ich stochere die Löcher vor, Mr.G schlägt die Pfähle rein, ich dreh die Isolatoren rein, er rennt mit dem Draht herum. Tadaaaaa, fertig… Aber dann passierte es: wir stritten uns um diesen Kackzaun! Mr. Ich-zäun-dir-200Hektar-in-der-Stunde-ein vs. Mrs. Ich-fummel-mir-hier-gerne-nen-gut-leitenden-Zaun-zusammen. Was ich gar nicht leiden kann, sind Knoten und doppelt umwickelte Isolatoren, weil dann der Strom dann so viel Widerstand bekommt. Fresseziehen war angesagt. Sätze fielen wie: ”Ich hab schon n paar Koppeln vor dir gebaut!” Und ”lass dir doch mal was sagen”… ihr wisst, das Übliche, wenn Paare sich streiten. 

Naja, wir haben uns dann wieder vertragen, beide Seiten ließen nicht dolle mit sich reden. Es kam zu einem Vergleich: ab und zu wurde doppelt gewickelt, des Friedens Willen. Die Hände wurden sich gereicht, es wurde sich für die gute Zusammenarbeit bedankt. Sekt wurde getrunken. 

Wollt ihr wissen, woher ich dieses eigensinnige gutaussehende Exemplar habe? 

Daher, wo ich alle wertvollen Männer treffe: am Bierwagen. 

Im vorletzten Sommer kaufte er ein Bier bei mir und warf mir dabei einen Blick zu, den ich niemals vergessen werde. Am nächsten Tag half mir google ihn zu stalken und ein paar Stunden später kam ich mit Herzchen in den Augen vom Date zurück und sagte zu Mama: ”wenn der nicht, wer dann?”. Diese Herzchen halten sich immer noch wacker in meinen Augen. Kennt ihr dieses Gefühl? Ich wünsche es allen Menschen immer zu. Hach, wie harmonisch wäre diese Welt? 

Hatte ich erwähnt, dass er Niederländer ist? Wieso ziehen mich denn eigentlich die Ausländer so gnadenlos an? Ich mag doch auch deutsche Männer. Mein Psychologe sagte dazu ganz lässig ”bilinguale Beziehungen sind oft zum Scheitern verurteilt” und dann beendete er die Sitzung. Läuft ja. 

Die Frage steht im Raum, ob ich ein Problem mit der eigenen deutschen Identität habe. Puh…ja, da fragste was ne… nö, würde ich nicht behaupten. Nach meinem kleinen 10-jährigen Abstecher nach Schweden, bin ich glücklicher denn je, Deutsche zu sein. Das Glück spüre ich nicht nur jede Woche in nem deutschen Supermarkt, sondern vor allem an der ungeschönten Echtheit meiner Mitmenschen. Sie reden nicht in Floskeln, sie sagen, was sie denken. Ich mag das doll. 

Und die Niederländer? Die tun das auch! Die sind so wie die Deutschen, nur mit Humor, sagt man 🙂 

Was sagen die Hobbypsychologen unter euch zu dieser steilen These mit der Identität? Oder such ich nach Ausländerlieben, damit ich sie heimlich berichtigen kann? Steckt mein Rechtschreibwahn möglicherweise dahinter? Oder steh ich nur auf diesen unübertroffenen Akzent? Ich weiß es nicht. 

Ich habe mit ihm jedenfalls mein echtes Soulmate gefunden. Der ist lieb und frech, hält es gut mit mir aus, wir wachsen beide beieinander, haben ein gemeinsames Hobby gefunden (dazu später mehr) und lachen uns in regelmäßigen Abständen tohot. Den behalte ich. Für immer. Koppel bau ich alleine. 

Ein anderes mal erzähl ich euch dann noch, wie Milchbauern auf Veganer abgehen und warum hier die Mädels Schlange stehen. 

Bis zum nächsten mal.

/Anni

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